COVID19 – Ist die Lage in Spanien und Italien besonders kritisch?

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(Datenquelle: https://www.worldometers.info, Grafik: www.stoeckl.ai)

Dieser Beitrag zeigt, mit einigen Informationsgrafiken und Statistiken, Auffälligkeiten im Verhältnis der Sterberate, und der Anzahl an schweren Fällen für Italien und Spanien auf. In diesen beiden Ländern sterben zu viele Personen, in Relation zu der Anzahl an ausgewiesenen schweren Krankheitsfällen. Wie ist das zu erklären? 

Über die Gefährlichkeit des COVID19 Virus wurde und wird derzeit viel gesprochen und geschrieben. Einerseits wird versucht aus statistischen Daten Aussagen ab zu leiten, andererseits schildern Berichte in den Medien und über private Kontakte die Situation und Dramatik von Einzelnen. So ist jeder schon mit Berichten, wie zum Beispiel dem eines italienischen Arztes

https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_87492038/coronavirus-italien-arzt-berichtet-ueber-dramatische-zustaende-in-bergamo.html

konfrontiert worden. Aber auch im privaten Umfeld häufen sich die Erfahrungsberichte, die den immer noch kursierenden Meldungen der Art “Ist nur eine weitere Grippe” widersprechen. Die nachfolgenden Statistiken sollen daher nicht zur Verharmlosung verwendet werden.

Als Statistiker möchte ich mich einigen Fragestellungen widmen, die auf Basis der vorliegenden Daten auftauchen. Allem voran den Unterschieden, zwischen den Ländern, bei der Sterblichkeit, und den Anteilen der schweren Fälle.

Als Datenquelle verwende ich dabei:

https://www.worldometers.info/coronavirus/

Hier werden, für eine große Anzahl an Ländern, die Daten für:

  • Anzahl der Fälle, schweren Fälle, aktuellen Fälle
  • Anzahl der neuen Fälle 
  • Anzahl der Toten und neuen Toten
  • Anzahl der Genesenen
  • Fall und Sterberaten pro Million Einwohner

aktuell gehalten. (Zeitpunkt der Auswertung: 26.3. 14:30)

Betrachten wir ein Balkendiagramm, das für die Länder mit vielen Fällen den Anteil in Prozent, der als schwerwiegend ausgewiesenen Fällen darstellt. Die Farbe des Balkens gibt dabei wieder, wie viele Fälle es in dem Land bisher gab, je dunkler desto mehr Fälle.

Anteil der kritischen COVID19 Fälle

(Datenquelle: https://www.worldometers.info, Grafik: www.stoeckl.ai)

Es springt hier natürlich der extrem große Unterschied zwischen Ländern wie Frankreich (über 11% der Fälle sind als schwer eingestuft) und Ländern wie Deutschland (0,06%) ins Auge.

Wo kommen diese Unterschiede her?

Die Frage der unterschiedlichen Todesraten wurde in der Presse und in Artikeln ausführlich diskutiert. So beschäftigt sich der Artikel

https://medium.com/@andreasbackhausab/coronavirus-why-its-so-deadly-in-italy-c4200a15a7bf

mit dem Fall Italien im Vergleich zu Südkorea. In der Analyse wird vor allem auf die Unterschiede in der Altersstruktur der Länder, und der Altersstruktur der Erkrankten eingegangen.

In https://science.orf.at/stories/3200422 wird eine wissenschaftliche Studie besprochen, die sich auch der Sterblichkeitsrate und den Unterschieden der Altersstruktur von China und Italien widmet.

In der Österreichischen Presse werden vielfältige Gründe diskutiert, wie im Artikel 

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/2055513-Warum-Oesterreich-so-wienige-Corona-Tote-hat.html

zu lesen ist. Typisch österreichisch ist dabei der Ansatz, der wegen des Hot-Spots in Ischgl und der Ausbreitung von dort, die geringe Todesrate in Österreich und Ländern mit Ski-Touristen in Österreich auf den großen Anteil an jungen gesunden Skifahrern zurück führt.

Die Schweizer Presse

https://www.nzz.ch/visuals/coronavirus-warum-die-toedlichkeit-des-coronavirus-in-italien-so-hoch-ist-ld.1546758

geht auf zwei Faktoren ein, einerseits ebenfalls den Unterschieden in der Altersstruktur andererseits auf die Gesundheitssysteme.

Deutsche Medien

https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/coronavirus-tote-zahlen-gering-warum-100.html

bringt neben der Altersstruktur und dem Gesundheitssystem auch noch die unterschiedlichen Testmethoden der Länder ins Spiel.

Wie mein Balkendiagramm zeigt, ist nicht nur bei der Sterblichkeit ein großer Unterschied zwischen den Ländern sondern auch beim Anteil an schweren Fällen. Das mag die selben Gründe haben, die ich gerade aufgelistet habe.

Aber es sollte dann auf jeden Fall ein klarer Zusammenhang zwischen dem Anteil an schweren Fällen, und der Todesrate vor liegen, wo viele schwere Fälle sind, gibt es viele Tote. 

Betrachten Sie dazu den Scatter-Plot samt Regressionsgeraden am Beginn des Beitrages.

Italien und Spanien liegen in dieser Darstellung weit weg von allen anderen Ländern. Die Sterblichkeitsrate ist viel zu hoch in Verhältnis zum Anteil der schweren Fälle. Für alle anderen betrachteten Länder ist sie, entsprechend der höheren Anzahl an kritischen Fällen, auch höher und folgen mehr oder weniger einer Geraden (linearer Zusammenhang).

Lässt sich das nur durch ein schlechteres Gesundheitssystem in Italien und Spanien erklären, oder ist es ein Indiz, dass die Lage in diesen beiden Ländern so kritisch ist, dass schwer kranke nicht mehr entsprechend versorgt werden können, und daher die Sterblichkeitsrate hoch ist?

Abschließend noch ein Blick auf die Verteilung der Anteile kritischer Fälle auf einer Weltkarte.

Kritische COVID19 Fälle pro Land

(Datenquelle: https://www.worldometers.info, Grafik: www.stoeckl.ai)

Die hohen Anteile an schweren Fälle (Orange) sind überwiegend in europäischen Raum zu finden.

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